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TEXT FAUST
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KOMMENTAR Wie in seinem Gesamtwerk gestaltet Johann Wolfgang Goethe auch im "Faust", seinem "summum opus", seine Ideen häufig im Kontrast der Feuer- und Wassermetapher. Für den "Neptunisten" Goethe kommt das Leben aus dem Wasser (vgl. Thales in Klassische Walpurgisnacht), nicht aus dem Feuer ("Vulkanismus" vgl. Anaxogoras ebd.). Kontext: Faust, an Gretchen schuldig geworden, muss im Fluss Lethe einen Heilschlaf durchmachen, um neue Kräfte für seine Fahrt durch die "große Welt" zu sammeln. Die Natur als "Locus amoenus" gibt dieses Balsam. Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig Fasziniert
vom herrlichen Schauspiel der aufgehenden Sonne,
muss Faust - geblendet - im Augen-Schmerz erkennen, dass der das "Flammenübermaß", das
"Feuermeer" nicht ertragen kann. Der Nimmersatt, der in
"NACHT" (Faust I) erkennen wollte,
"was die Welt im Innersten zusammen hält", übt sich hier notgedrungen in
Bescheidenheit. Die Quelle des Licht, die reine Wahrheit und Erkenntnis
ist nicht für den Menschen. Faust wendet sich um und sieht einen gleichsam natur-mächtigen Wasserfall, der im Sonnenlicht seine Wassertröpfchen in "kühler Schauer" verbreitet. Darin bricht sich das Sonnenlicht und erzeugt einen wunderbaren schönen Regenbogen. Er symbolisiert auf vielfältige Weise Goethes Naturphilosophie und Grundanschauung: Er ist "Dauer im Wechsel", er ist schön, er ist nicht die ewige Wahrheit selbst, sondern der dem Menschen angemessene und erträgliche farbige Abglanz. |
Ausblick: Für Faust bleibt diese kontemplative Haltung freilich Intermezzo, er wird diese Bescheidenheit künftig wieder ablegen und in altbekannter Hybris nach dem Unmöglichen streben und dabei Schuld im Menschheitsmaßstab auf sich laden, ehe er (verdient?) von oben erlöst wird. |
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Anregungen, Fragen, Kommentare an © 2002-2003 Michael Seeger, zuletzt aktualisiert am 06.06.03